Nachhaltige Mode: 7 Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Sicher kommt sofort zu Beginn die spannende Frage auf: Nachhaltigkeit und Mode – passt das überhaupt zusammen? Die klare Antwort ist: Wenn wir es richtig machen und einige Punkte beachten, dann Ja.

“Become an active citizen through your wardrobe.”

Dieses Zitat stammt von Livia Firth, Gründerin und Creative Director von Eco-Age. Wenn wir über die Aussage länger nachdenken, dann sehen wir, dass hier viel Wahres drin steckt.

Wir bestimmen aktiv mit unserem Kaufverhalten, wie wir unsere Welt und unser Leben gestalten wollen. Mit durchdachten Entscheidungen können wir auch im eigenen Kleiderschrank langsam mehr Nachhaltigkeit einziehen lassen.

Das Thema nachhaltige Mode muss dabei nicht immer kompliziert sein. Es geht auf keinen Fall darum, plötzlich alles perfekt zu machen, auch wenn es natürlich schön wäre. Vielmehr sind es viele kleine Schritte, die helfen, Mode wieder bewusster und ökologischer zu konsumieren.

Wir haben dir deshalb 7 praktische Tipps zusammengestellt, um langfristig deine Sichtweise auf Kleidung zu verändern und deinen Kleiderschrank nachhaltiger zu gestalten.

Welchen Einfluss hat Fast Fashion auf unsere Welt?

Die Fast-Fashion-Industrie gilt mit als eine der schmutzigsten Branchen weltweit. Leider gilt sie gleichzeitig auch als eine der Rentabelsten. Das macht das Desaster für die Umwelt perfekt. Das Geschäftsmodell der Modelabels basiert darauf, schnell und vor allem billig Kleidung zu produzieren, ganz egal wie.

Der ökologische Faktor

Bei Fast Fashion ist nicht nur der hohe Energieverbrauch bei der Herstellung verhängnisvoll, sondern auch die giftigen Chemikalien, die bei der Produktion eingesetzt werden.

Ein weiteres Problem ist der hohe Anteil an synthetischen Materialien wie Polyester oder Elastan, die auf Basis von nicht wiederverwendbaren Rohstoffen wie Erdöl hergestellt werden.

Doch das ist nicht alles. Für die Produktion werden auch Unmengen an begrenzten Ressourcen benötigt. So werden beispielsweise für die Herstellung einer Jeans 7000 Liter Wasser und für ein einziges T-Shirt 2720 Liter Wasser verbraucht.

Und haben wir schon über all die Insektizide und Pestizide geredet, die beim Anbau von Baumwolle zum Einsatz kommen? Oder das Mikroplastik, das durch unsere Kleidung in die Gewässer gelangt? Und was ist mit den hohen Emissionen durch die langen Transportwege?

Es gibt einfach so viele Punkte, die die Fast-Fashion-Branche zu einem puren Horror für Umwelt und Natur machen.

Der humane Faktor

Wir haben grad „nur“ den Umweltaspekt betrachtet. Wenn wir noch den sozialen Aspekt ansehen, dann sollte uns ganz anders werden.

Hier arbeiten Millionen Menschen vor allem in armen Ländern unter katastrophalen Bedingungen.

Geringe Stundenlöhne, unmenschliche Arbeitszeiten, hohe Unfall- und Gesundheitsrisiken, Kinderarbeit und auch psychische oder physische Gewalt stehen hier leider an der Tagesordnung.

Und wofür alle diese Ausbeutung? Damit wir stets und ständig günstige Kleidung kaufen, neue Trends schnell produziert werden und dadurch superreiche Unternehmen noch reicher werden. Ist es das wirklich wert?

Der Bericht „Konsumkollaps durch Fast Fashion“ von Greenpeace ist einen Blick wert, um tiefer in das Thema einzusteigen. Auch der Dokumentarfilm „The True Cost“ gibt einen guten Einblick in die traurige Situation:

7 praktische Tipps für nachhaltige Kleidung in deinem Schrank

Wahrscheinlich bist du auch geschockt von all diesen Fakten und fragst dich, wie du deine Kleidung nachhaltiger gestalten kannst. Deshalb haben wir uns das Thema genauer angeschaut und 7 wichtige Ideen zusammengetragen.

1. Verschaffe dir einen Überblick!

Für mehr Nachhaltigkeit in deinem Kleiderschrank ist es wichtig, zunächst einmal zu prüfen, was du überhaupt alles hast. Spoiler: Es ist meist sehr viel mehr, als du vorher denkst.

Also holst du jetzt alles aus Schrank, Kommode, unter dem Bett und aus Keller oder Dachboden hervor und sortierst aus. Wie du richtig beim Aufräumen vorgehst, kannst du in unserem Artikel zum Thema Kleiderschrank ausmisten lesen.

Du wirst danach sicher schockiert sein, wie viel du bereits hattest und wie wenig du regelmäßig davon genutzt hast. Außerdem wirst du erkennen, dass mehr nicht immer gleich besser ist.

Mit weniger Kleidung im Schrank hast du nämlich direkt einen viel besseren Überblick. Das sorgt oft auch für mehr mentale Klarheit. Vielleicht sind ja auch Minimalismus-Projekte wie eine Capsule Wardrobe interessant für dich?

2. Überdenke dein Konsumverhalten!

Nachdem du deinen Status quo erkannt und aussortiert hast, geht es nun daran, dein bisheriges Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.

Meist kaufen wir nämlich nicht gezielt ein, sondern werden Opfer von Impulskäufen. Wir shoppen nicht, weil wir etwas brauchen, sondern einfach, weil es preiswert und stets verfügbar ist.

Hinzu kommt noch das perfekte Marketing der Marken, die uns immer wieder weismachen wollen, was wir unbedingt brauchen.

Oft nutzen wir die Ausflüge ins Einkaufszentrum, um unsere Laune zu pushen, als Belohnung oder sehen es als Hobby an. Doch diese Käufe machen uns nicht glücklich.

Im Gegenteil, meist enden sie als Fehlkäufe in der hinteren Ecke unseres Kleiderschranks und machen uns nach anfänglicher Euphorie ein schlechtes Gewissen.

Deshalb musst du lernen, stark zu sein und der Versuchung zu widerstehen. Bestelle Newsletter ab, ignoriere Sales, schlafe über Entscheidungen und lerne, was dich wirklich glücklich macht.

Beginne auch eine Liste zu erstellen mit den Kleidungsstücken, die dir wirklich fehlen. So kaufst du ab sofort gezielter und überlegter.

3. Setze auf Qualität statt Quantität!

Du musst und solltest nicht jeden Trend mitmachen und jedes billige Fast-Fashion-Teil kaufen. Die Idee ist nicht, deinen Kleiderschrank aufzuräumen, nur um ihn schnell wieder zu füllen.

Begib dich stattdessen auf die Suche nach deinem eigenen Stil und entscheide dich beim Kauf für gute Qualität und hochwertige Materialien. Wähle bewusst aus, welche Schnitte, Farben und zeitlose Klassiker ab sofort einziehen dürfen.

Langfristig hast du so viel mehr Freude an deiner Kleidung, auch wenn vor allem nachhaltige Modelabels und fair produzierte Kleidung anfangs teurer erscheinen. Aber lieber ein hochwertiges Fair-Fashion-Basic, was du ständig trägst, als 10 labbrige Fast-Fashion-Shirts, die schnell Form und Farbe verlieren.

Wenn du dich für Fair Fashion und Qualität bei deiner Kleidung entscheidest, dann ist es nicht nur nachhaltiger, sondern auch ein Statement, dass du all die Arbeit dahinter wertschätzt.

Halte dich also immer wieder gerne an das beliebte Zitat von Vivienne Westwood:

“Buy less, choose well and make it last.”

4. Erkenne Greenwashing rechtzeitig!

Teuer bedeutet nicht immer automatisch, dass ein Artikel nachhaltig ist. Nachhaltigkeit ist für viele Firmen ein Trend, den sie halbherzig mitmachen.

Deshalb ist es wichtig, dass du dich über die offiziellen Textilsiegel informierst. Hier gibt es viele verschiedene und oft auch irreführende Siegel, die auf verschiedene Aspekte der Produktion fokussieren.

Die gängigsten Siegel sind u. a.:

  • Global Organic Textile Standard (GOTS)
  • Oeko-Tex Made in Green
  • IVN Best
  • EU Ecolabel
  • Cradle to Cradle
  • Der blaue Engel
  • Bluesign
  • Grüner Knopf

Bei Greenpeace findest du eine tolle Analyse dazu: „Textilsiegel im Greenpeace-Check“.

Schaue auch auf der Website des nachhaltigen Modelabels vorbei und prüfe, ob du klare und ausführliche Informationen zu Themen wie Rohstoffen, Produktion und Arbeitsbedingungen findest. Je ungenauer, desto wahrscheinlicher, dass es sich um Greenwashing handelt.

Nicht immer ist es einfach zu erkennen, daher heißt es genau zu checken, bevor du etwas kaufst.

Was auf jeden Fall keine nachhaltige Mode ist, sind übrigens die vermeintlichen Bio- oder Öko-Kollektionen von Fast-Fashion-Anbietern wie H&M, Zara, Mango, C&A und anderen.

5. Entscheide dich für natürliche Materialien!

Polyester, Nylon, Elastan und andere erdölbasierte Kunstfasern sind einfach nur eine Katastrophe für die Umwelt. Daher solltest du beim Neukauf darauf achten, diese Materialien komplett zu vermeiden und dich für natürliche Stoffe entscheiden.

Hier bieten sich Naturtextilien wie Leinen, Hanf, Modal und Bio-Baumwolle an. Aber auch Lyocell, besser bekannt als Tencel, ist eine gute Alternative.

Bei den nicht veganen Stoffen sind Bio-Wolle und Seide noch mit am nachhaltigsten.

Vermeide jedoch konventionelle Baumwolle, da hier Unmengen an chemischen Pestiziden zum Einsatz kommen. Auch ist der Wasserbedarf um ein Vielfaches höher als bei Bio-Baumwolle. Außerdem kommt meist gentechnisch verändertes Saatgut zum Einsatz, um die Pflanzen resistenter zu machen. Diese können die Biodiversität negativ beeinflussen.

6. Entdecke Secondhand für dich!

Wenn du momentan nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügst, um nur noch fair produzierte Kleidung zu kaufen, dann ist Secondhand eine tolle Alternative für dich.

Sei es ein Besuch auf dem Flohmarkt, eine Tauschparty mit Freund*innen, der Secondhandladen in deinem Ort oder bekannte Secondhand-Anbieter online – alles sind nachhaltige Shoppingmöglichkeiten. Hier findest du eine Vielzahl an gut erhaltenen Kleidungsstücken und kannst ihnen ein zweites Leben schenken.

Mit Secondhand-Kleidung reduzierst du zumindest den Verbrauch von Ressourcen. Halte dir aber trotzdem vor Augen, dass für dieses Kleidungsstück Menschen und Umwelt gelitten haben. Vielleicht hast du Glück und findest ja auch einige Labels für nachhaltige Mode ganz einfach Secondhand.

Werde auch selbst aktiv und verkaufe deine gut erhaltenen alten Sachen. So entsteht ein Kreislauf, an dem alle Freude haben und für den nichts Neues produziert werden muss.

7. Pflege deine Kleidung!

Ein entscheidender Punkt für mehr Nachhaltigkeit bei deiner Kleidung ist auch, dass du sie richtig pflegst. Nur so hast du lange Freude an deinen Sachen und verlängerst die Lebensdauer der Stücke.

Folge also immer der Waschanleitung auf den Etiketten und wasche die Sachen nicht zu oft. Meist muss nicht alles sofort nach einmaligem Tragen in die Waschmaschine, sondern kann einfach zum Lüften aufgehängt werden. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern schont auch deine Kleidung.

Wenn du noch Artikel mit Kunstfasern hast, dann nutze auch unbedingt einen Waschbeutel, damit das Mikroplastik nicht ins Wasser gelangt.

Bewahre deine Kleidung auch richtig im Schrank auf. Gepolsterte Kleiderbügel, Seidenpapier für besondere Stücke und Lavendelsäckchen gegen Motten helfen dabei. Schwere Sachen wie Sweatshirts oder Pullover lagerst du dabei lieber liegend, damit die Fasern nicht ausleiern. Alles andere kannst du auf die Bügel hängen.

Falls doch mal etwas kaputtgeht, dann repariere die Sachen oder lasse sie reparieren.

Fazit

Nachhaltige Mode bedeutet also nicht unbedingt ab sofort nur noch fair produzierte Kleidung zu kaufen. Natürlich wäre das wunderschön, aber viel realistischer sind sicher diese kleinen Schritte in die richtige Richtung. Nachhaltigkeit ist so für jede*n von uns machbar!

Quellen:

“Fast Fashion: Wir brauchen eine Slow Fashion Revolution“ von Greenpeace e. V.: https://blog.greenpeace.de/artikel/fast-fashion-wir-brauchen-eine-slow-fashion-revolution

“Konsumkollaps durch Fast Fashion” von Greenpeace e. V.: https://greenwire.greenpeace.de/system/files/2019-04/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf

Textil-Siegel im Greenpeace-Check von Greenpeace e. V.: https://greenwire.greenpeace.de/system/files/2019-04/e01211-greenpeace-chemie-einkaufsratgeber-textil-siegel-2018.pdf)

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