Frugalismus für Anfänger*innen: 8 Tipps für ein simples und frugales Leben

Frugalismus – fragst du dich hier auch, was es damit eigentlich auf sich hat? Vielleicht hast du das Wort mal im Zusammenhang mit Minimalismus gehört, liest es heute zum ersten Mal oder interessierst dich bereits eine Weile dafür.

Mit Sicherheit sind dir einige der Hauptgedanken dieser Lebensphilosophie schnell im Kopf geblieben: bereits mit 40 in Rente zu gehen, finanziell unabhängig zu sein und frei über dein Leben zu entscheiden. Es klingt zu schön, um wahr zu sein?

Frugalist*in zu werden, erfordert jedoch einige starke Einschränkungen und Veränderungen im Lebensstil. Wir klären deshalb in diesem Artikel, was es genau mit Frugalismus auf sich hat und wie du den Einstieg in ein frugales Leben findest.

Was ist Frugalismus?

Die heutige Definition von Frugalismus stammt von dem französischen Wort „frugal“ ab. Es bedeutet in der deutschen Übersetzung so viel wie bescheiden, einfach oder bewusst. Damit umschreibt es die prinzipielle Idee eines frugalen Lebens recht eindeutig, nämlich das Prinzip der extremen Sparsamkeit.

Die Grundidee der Frugalisten

Frugalist*innen leben einfach, vermeiden unnötige Ausgaben und priorisieren ihre langfristige finanzielle Unabhängigkeit. Ziel ist es, ein selbstbestimmtes Leben zu haben und sich kritisch mit dem eigenen Konsum auseinanderzusetzen.

Damit ähnelt Frugalismus in gewisser Weise dem Minimalismus, da beide ein bewusstes und reduziertes Leben anstreben. Doch während Minimalismus mehr auf die Befreiung von unnötigem Ballast fokussiert, steht bei Frugalismus das Thema Finanzen im Mittelpunkt.

Natürlich können die individuellen Gründe für ein frugales Leben stets unterschiedlich sein. Doch vor allem die frühe Rente ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt der frugalen Bewegung.

Finanzielle Freiheit und früher Ruhestand haben Frugalismus dadurch in den USA den Namen FIRE („financial independence, retire early“) eingebracht.

Durch starke Einschränkungen im Konsum, hohe Sparraten und das Investieren von Geld in Aktien, Fonds, Anleihen und Co. soll möglichst schnell Vermögen angehäuft werden. Dadurch ist es möglich, allein von der Rendite zu leben.

Auch der Wunsch nach einem nachhaltigeren Leben oder der Ausstieg aus sozialen Normen und Zwängen sind teilweise Beweggründe. Frugalist*innen wollen dem ewigen Hamsterrad unserer Gesellschaft entfliehen.

3 wichtige Ansätze für ein frugales Leben

Doch wie lebt es sich als Frugalist*in? Es gibt 3 wichtige Grundregeln, die dabei helfen, den Weg in ein frugales Leben zu finden.

70 %-Sparquote

Eine der frugalen Pfeiler sind langfristige Investitionen. Als Frugalist*innen versuchen wir deshalb möglichst viel unseres Einkommens zu sparen. Optimal sind zwischen 70 % und 80 %.

Damit dies möglich ist, werden alle Ausgaben geprüft und reduziert (z. B. kleinere Wohnung, keine Reisen, etc.). Im Fokus des frugalen Lebens stehen kostenlose, aber erfüllende Tätigkeiten (z. B. soziale Kontakte, Sport, persönliche Weiterentwicklung etc.).

25-facher Jahresbedarf

Wir sparen einen Großteil unseres Einkommens, um frühzeitig in Rente gehen zu können. Doch wie viel benötigen wir überhaupt? Die Faustregel ist, dass wir ca. das 25-fache unserer Jahresausgaben brauchen.

Benötigen wir beispielsweise 1.250 € pro Monat (€15.000 € jährlich), so müssen wir 25 x 15.000 €, also 375.000 € ansparen und investieren.

4 %-Regel

Wenn wir diese Summe investiert haben, dann können wir von der Rendite dieser Geldanlagen allein leben.

Das bedeutet, dass wir 4 % unserer Ersparnisse jährlich verbrauchen können und so dank Zinsen und Zinseszinsen bis an unser Lebensende ein passives Einkommen haben. Wir haben die finanzielle Unabhängigkeit erreicht!

Diese 3 Regeln haben es in sich und entscheiden darüber, ob Frugalismus der richtige Weg für dich ist. 

Ein frugales Leben ist eher weniger für dich geeignet, wenn du:

  • deinen Lebensstandard nicht extrem reduzieren willst.
  • nur ein sehr niedriges Gehalt hast.
  • nicht in den Aktienmarkt oder andere Kapitalanlagen investieren möchtest.
  • planst eine Wohnimmobilie zu kaufen oder einen Kredit aufzunehmen.

Wie funktioniert Frugalismus?

Wir wissen jetzt, dass unser Fokus ab sofort auf knallhartem Reduzieren unseres Konsumverhaltens sowie dem stetigen Anstieg unseres Vermögens liegt. Damit wir dieses Ziel schnell erreichen, müssen wir unser bisheriges Leben kritisch hinterfragen.

Hier hilft es sich zunächst einmal einen Überblick über die eigene Situation zu verschaffen.

Aktuelle finanzielle Situation prüfen

Die Analyse unserer momentanen Finanzsituation ist wichtig. Dadurch lernen wir, wofür wir unser Geld jeden Monat ausgeben und wie viel Geld wir sparen können.

Hier gilt es 3 Punkte zu berücksichtigen:

  • monatliche Einnahmen: Gehalt, zusätzliche Einkünfte, Kindergeld, soziale Bezüge, Zinsen etc.
  • monatliche Ausgaben: Miete, Nebenkosten, Kredite, Versicherungen, Abos, Transportkosten, Essen, Urlaub, Shopping etc.
  • vorhandenes Vermögen: Kontoguthaben, Sparverträge, Aktien etc.

Damit dies übersichtlicher wird, lohnt es sich, ein Haushaltsbuch zu führen. Hier trägst du alle Daten ein. Heutzutage gibt es tolle Apps, die du dafür nutzen kannst, aber auch eine Excel-Tabelle oder ein Notizbuch reichen aus.

Mögliches Einsparpotenzial suchen

Du hast dir im vorherigen Schritt einen Überblick über deine finanzielle Situation verschafft. Jetzt gilt es dort nach Möglichkeiten zu suchen, deinen monatlichen Restbetrag zu erhöhen.

Hier liegt der Fokus darauf, zu sparen, wo es nur geht. Gehe alle Punkte in deinem Haushaltsbuch durch und prüfe, wo du Einsparpotenzial hast.

Dabei kannst du dir Fragen stellen wie:

  • Was ist meine größte Ausgabe? Wie kann ich sie minimieren?
  • Was ist die Kategorie, wo ich am meisten Geld ausgebe? Was kann ich hier besonders reduzieren?
  • Gibt es etwas, worauf ich komplett verzichten kann?
  • Welche kleinen Ausgaben summieren sich? Kann ich sie komplett eliminieren?

Dein Kopf wird im ersten Moment sicher laut Nein schreien, weil es uns als Gewohnheitstiere schwerfällt, unseren Lebensstandard zu reduzieren. Es ist aber möglich, auch wenn es unbequem ist.

Bedenke auch, dass du zusätzlich auch dein monatliches Einkommen erhöhen kannst. Sei es durch zusätzliche Nebeneinkünfte, eine Gehaltserhöhung oder erste Investitionen.

Langfristig wird dich dieses frugale und ja auch minimalistische Leben viel glücklicher machen, als es ein neues Auto oder eine riesige Wohnung je machen könnten.

8 Frugalismus-Tipps zum Einstieg in ein unabhängiges Leben

Wir geben dir jetzt ein paar Tipps und Ideen, um frugal zu leben. Lerne Geld zu sparen, Vermögen anzusammeln und den Traum von früher Rente und finanzieller Unabhängigkeit zu verwirklichen.

Also, bist du auch on FIRE?

1. Ziehe in eine preiswerte Wohnung

Beginnen wir mit einem Punkt, der bei den meisten von uns wohl die höchsten Fixkosten verursacht: die eigene Wohnung. Überlege, ob es möglich ist, Miete einzusparen.

Mögliche Lösungen sind der Umzug in eine kleinere Wohnung oder die Überlegung in eine Wohngemeinschaft zu ziehen. Auch eine günstigere Wohngegend in deiner Stadt oder die Suche nach einer Wohnung etwas außerhalb der Stadt sind Möglichkeiten, die dir offen stehen.

Prüfe, wie viel Raum du wirklich brauchst und besichtige einfach mal ein paar preiswertere Wohnungen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sich mit weniger lebt.

Bedenke auch, dass du nicht nur Miete sparst, sondern auch Nebenkosten.

2. Nutze günstige Alternativen zum Pkw

Die preiswerteste Alternative zu einem Fahrzeug sind deine Beine. Versuche daher so viel wie möglich zu Fuß zu gehen oder Rad zu fahren, um Kosten zu sparen.

Für längere Strecken lohnt sich oft ein Blick in die verschiedenen Mitfahrbörsen im Internet oder auch die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wenn du bereits ein Auto hast und es dir möglich ist, dann verkaufe es am besten. Das spart dir langfristig nämlich auch viele zusätzlichen Kosten wie Benzin, Kfz-Steuer, Reparaturen und Versicherungen.

Falls autofrei momentan nicht für die infrage kommt, dann überlege, ob du Fahrgemeinschaften bilden kannst. Eine gute Alternative zum Pkw kann auch ein günstigerer Motorroller sein.

3. Koche mehr zu Hause

Spare Geld, indem du weniger auswärts isst und mehr selbst zu Hause kochst. Dabei lohnt es sich, für die gesamte Woche zu planen und eine Einkaufsliste zu erstellen. So holst du nur, was du auch wirklich brauchst.

Damit der Spaßfaktor nicht ganz untergeht, lade einfach deine Freund*innen zum Kochen oder auf einen gemeinsamen Cocktailabend ein, statt in Restaurant oder Bar zu gehen.

Vergiss auch nicht, Dinge wie Snacks, Kaffee oder Wasser zu Hause vorzubereiten und mitzunehmen. So vermeidest du unterwegs teure Spontankäufe.

Du kannst zusätzlich Geld sparen, wenn du auf Angebote in Geschäften achtest und auch regelmäßig einen Blick auf Plattformen wie Too Good To Go oder Foodsharing wirfst.

4. Verkaufe Sachen, die du nicht nutzt

Schaue dich in deiner Wohnung um und gehe durch deine Sachen. Alles, was du nicht mehr nutzt, brauchst oder behalten willst, kann schnell ein neues Zuhause finden.

Mit Sicherheit findest du einige gut erhaltene Sachen, die du verkaufen kannst. Lade die ausgewählten Produkte ganz einfach auf verschiedene Plattformen wie eBay Kleinanzeigen, Mädchenflohmarkt oder reBuy hoch. Alternativ kannst du sie aber auch auf Flohmärkten in deiner Stadt anbieten.

Hier schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum Einen bringt dir der Verkauf tolle zusätzliche Einnahmen und zum Anderen trennst du dich von Dingen, die du nicht brauchst.

Hier kommt der Gedanke des Minimalismus und des Frugalismus zusammen.

5. Kaufe benötigte Sachen gebraucht

Nicht nur zugunsten der Umwelt, sondern auch um dein frugales Leben weiter zu pushen, solltest du soweit wie möglich Sachen nur gebraucht kaufen.

Bevor du jedoch sofort nach XYZ suchst, frage dich, ob du es wirklich brauchst. Hier hilft die 3-Tage-Regel. Du lässt zunächst drei Tage verstreichen und kaufst nur, wenn du wirklich zu 100 % davon überzeugt bist.

Die verschiedenen Onlineportale und Secondhand-Läden in deinem Ort sind ab sofort deine besten Freunde. Oft findest du hier Dinge zu sehr günstigen Preisen oder sogar komplett kostenlos.

Falls es infrage kommt, sind natürlich Ausleihen und Reparatur sogar noch bessere Alternativen zum Kauf. Prüfe ganz genau, ob du wirklich etwas erwerben musst.

6. Checke Verträge und Abos

Hast du verschiedene Versicherungen, diverse Zeitungs- und Streamingabos oder einen viel zu teuren Handy- und Internettarif? Dann ist es an der Zeit, einen prüfenden Blick auf all diese Kosten zu werfen.

Hier solltest du zunächst entscheiden, welche dieser Dinge du wirklich noch benötigst und welche an sich in deinem frugalen Leben ab sofort überflüssig sind. Kündige Letztere unbedingt zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Im nächsten Schritt solltest du für alle noch notwendigen Produkte Preise vergleichen und Angebote einholen. Oft lohnt sich ein Wechsel zu anderen Anbietern und manchmal reicht es sogar deinen bestehenden Vertrag anzupassen, um Geld zu sparen.

7. Wähle kostenlose Freizeitaktivitäten

Als Frugalist*in musst du trotzdem nicht das Gefühl haben, nur verzichten zu müssen. Es lohnt sich, sich auf die Suche nach Aktivitäten zu machen, die dich erfüllen, aber gleichzeitig deinen Geldbeutel schonen.

Es gibt viele Möglichkeiten deine Freizeit aktiv und erfüllend zu gestalten, ohne dabei Geld auszugeben. Überlege dir, was gratis ist und dir Spaß macht und mache mehr davon. Du entdeckst dabei vielleicht sogar ganz neue Facetten an dir.

Hier findest du 10 Inspirationen für Freizeitaktivitäten, die dich nichts kosten:

  • Wandern gehen
  • Radtouren machen
  • Joggen
  • Picknicks im Park
  • Ausflüge in die Umgebung machen
  • Spaziergänge mit Freund*innen
  • Bücher lesen
  • an kostenlosen Stadtführungen teilnehmen
  • Spieleabende mit der Familie
  • im Tierheim helfen

8. Investiere dein gespartes Geld

Nachdem du jetzt einiges an Geld sparen konntest, solltest du es auch richtig anlegen, um dem Ziel des Frugalismus näher zu kommen.

Auf einem Konto ist das Geld zwar sicher, aber es ist nur geparkt und nicht wirklich rentabel. Wir wollen aktiv unterwegs sein. Deshalb ist es wichtig, dass du dir Zeit nimmst und dich ausführlich zum Thema des langfristigen Vermögensaufbaus informierst.

Lerne mehr über Finanzen und vor allem auch über Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen und Co. Hier lohnt sich beispielsweise ein Blick auf Seiten wie Madame Moneypenny oder Finanzfluss.

Lasse dich auch unbedingt von deiner Bank über die Möglichkeiten beraten, aber nimm dir Zeit zu entscheiden. Prüfe in Ruhe, was der für dich richtige Weg ist und genieße Frugalismus in vollen Zügen!

Fazit

Frugalismus ist eine besondere Lebensphilosophie, die vielleicht nicht für jede Person das Richtige ist. Hinterfrage also, ob du dir ein frugales Leben vorstellen kannst und stelle dich dann der Herausforderung.

Vielleicht lässt du dich auch nur ein wenig von den Ideen des Frugalismus inspirieren. Ein bewusster Konsum und ein Blick auf deine Finanzen sind auf jeden Fall wichtig – egal ob Frugalist*in oder nicht.

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