Weniger Essen im Müll: 7 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Die Industrieländer leben seit Jahrzehnten im Überfluss – das ist ein unumstrittener Fakt. Konsum ist ein zentrales Thema und alles ist schnell und bequem für uns verfügbar.

So ist es kein Wunder, dass auch beim Essen ein wahres Überangebot herrscht. Wir werden ständig mit Angeboten gelockt, um über unsere Bedürfnisse zu leben und vor allem zu konsumieren. Das Ergebnis? Täglich landen unzählige Lebensmittel im Müll.

Wir haben uns zu einer Wegwerfgesellschaft entwickelt. Vieles, was wir an Essen produzieren, wird nicht verzehrt, sondern einfach weggeschmissen. Und das in einer Zeit, zu der in vielen Teilen der Welt immer noch Millionen Menschen hungern oder an Unterernährung sterben.

Daher ist es ein wichtiges Ziel von uns allen, der Lebensmittelverschwendung in Deutschland (und weltweit) ab sofort den Kampf anzusagen. Wir müssen lernen, wieder verantwortungs- und respektvoll mit dieser Ressource umzugehen.

Wie wir am besten anfangen und erste wichtige Schritte gehen, erfährst du heute. Wir geben dir 7 sinnvolle Tipps für den Alltag, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und weniger Essen wegzuwerfen.

Was sagt die Statistik zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland?

Laut einer Studie der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) werden aktuell weltweit insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel pro Jahr weggeworfen. Das entspricht knapp einem Drittel aller jährlich produzierten Nahrungsmittel!

Wenn wir uns die aktuelle Statistik zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft anschauen, dann kommen wir hier auf ca. 12 Millionen Tonnen an Lebensmittelabfällen pro Jahr.

Davon entsteht über die Hälfte in Privathaushalten, nämlich 6,1 Millionen Tonnen. Das bedeutet, dass jede*r von uns fast 75 kg an Lebensmitteln pro Jahr einfach wegwirft. Wenn wir das runterrechnen, sind das 200 g pro Tag. Das ist eine Menge an Essen und an Geld, was einfach in der Tonne landet!

Besonders tragisch ist vor allem auch der Fakt, dass über die Hälfte des insgesamt weggeworfenen Essens vermeidbar wäre. Das sind 6 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln, die einfach im Müll enden.

Warum werfen wir so viel Essen weg?

Zwar machen Privathaushalte fast die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel aus, aber in der gesamten Kette von Produktion bis hin zu Endkonsument*innen entsteht leider Lebensmittelverschwendung.

So liegt der Anteil bei der sogenannten Primärproduktion bei ca. 12 Prozent (1,4 Millionen Tonnen). Hiermit ist die Landwirtschaft, also der Pflanzenbau und die Aufzucht von Nutztieren gemeint. Durch z. B. Schädlingsbefall, Unwetter oder fehlende Nachfrage landen viele Nahrungsmittel im Müll.

In der anschließenden Herstellung bzw. Verarbeitung zu Lebensmitteln werden ca. 18 Prozent (2,2 Millionen Tonnen) an Essen weggeworfen. Die Ursachen dafür können beispielsweise Verunreinigungen, falsche Lagerung oder Qualitätssicherung sein.

Der Handel selbst ist für 4 Prozent (0,5 Millionen Tonnen) der Nahrungsmittelverschwendung verantwortlich. Hier werden viele Produkte entsorgt, die u. a. nicht der ästhetischen Norm entsprechen, das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreiten oder einfach nicht verkauft werden.

Im eigenen Haushalt, der fast 52 Prozent ausmacht, fällt der Großteil unserer Lebensmittelverschwendung an. Vor allem der ständige Überfluss durch Impulskäufe sowie falsche Lagerung oder das Wegwerfen von Essensresten oder abgelaufenen Produkten füllen unsere Mülltonne.

Auch in der Gastronomie werden fast 14 Prozent (1,7 Millionen Tonnen) des Essens weggeworfen. Gründe dafür können neben falscher Lagerung und Hygienevorschriften, auch Fehlkalkulationen oder fehlende Nachfrage sein.

Lebensmittelverschwendung vermeiden: 7 einfache Tipps für den Alltag

Wir sehen also, dass in jedem Bereich Lebensmittelverschwendung anfällt. Doch was können wir als Konsument*innen in unserem Alltag tun, um bei uns zu Hause eine positive Veränderung beim Thema Essen wegwerfen einziehen zu lassen?

1. Plane deinen Einkauf richtig!

Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, ist Planung das A und O. Ja, es klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär und spießig. Doch wenn wir vor dem Einkauf bewusst überlegen, was und wie viel wir wirklich brauchen, vermeiden wir essbare Lebensmittel im Müll.

Die gute alte Einkaufsliste (in traditioneller Papier- oder moderner Appform) ist also perfekt, um nicht mehr im Überfluss zu kaufen. Wir checken, was wir noch zu Hause haben, planen, was wir die nächsten Tage kochen oder essen wollen und kaufen gezielter ein.

Es lohnt sich übrigens auch einen Essensplan für die Woche zu erstellen, um einen guten Überblick zu erlangen.

Vermeide, hungrig einkaufen zu gehen. Dabei landen nämlich ziemlich viele Sachen aus purem Heißhunger im Wagen, die oft gar nicht gegessen werden. Unsere (oft auch ziemlich teuren) Impulskäufe haben so ein Ende!

2. Greife zu hässlichem Obst und Gemüse!

Während des Einkaufs solltest du bei Obst und Gemüse zu „unperfekten“ Sachen greifen. Bereits bevor Lebensmittel im Handel ankommen, werden viele Produkte allein aufgrund der Optik aussortiert. Trotzdem bleibt in Supermärkten immer noch viel vermeintlich „hässliches“ Obst und Gemüse liegen.

Nutze die Chance und greife also zu der krummen Karotte, der unförmigen Kartoffel oder der leicht braunen Banane. Damit trägst du zumindest einen kleinen Teil zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung bei.

Einige Supermarktketten bieten neuerdings speziell Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern an. Auch online findet ihr tolle Initiativen wie beispielsweise Etepetete oder Rübenretter, die sich auf „fehlerhaftes“ Obst und Gemüse spezialisieren.

3. Kenne den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum!

Sicher hast du davon gehört, dass es einen Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum gibt. Diesen zu kennen ist wichtig, um weniger Lebensmittel wegzuwerfen.

Nach Ablauf des Verbrauchs- oder Verfallsdatums sollten die meist leicht verderblichen Produkte nicht mehr gegessen werden. Nach Ablauf der Haltbarkeit besteht hier nämlich eine Gesundheitsgefahr durch Keime und Bakterien.

Beim Mindesthaltbarkeitsdatum ist dies jedoch nicht der Fall. Dieses Datum gibt lediglich an, bis zu welchem Zeitpunkt der Artikel seine optimalen Eigenschaften behält. Die Lebensmittel sind trotz Ablauf des MHD oft noch Tage, Wochen oder Monate lang genießbar und nicht sofort verdorben.

Vertraue beim MHD auf deine Sinne und analysiere das Produkt genau. Riecht es normal, sieht es gut aus und schmeckt es noch? Wenn du alle Fragen bejahen kannst, dann kannst du es problemlos essen, statt es in die Tonne zu werfen.

Kaufe auch im Supermarkt vermehrt Produkte, bei denen das MHD nah ist. Diese sind meist günstiger und trotzdem einwandfrei. Außerdem lassen sie sich meist problemlos einfrieren (oder natürlich am selben Tag essen).

4. Lagere deine Lebensmittel richtig!

Das Wissen zur richtigen Lagerung ist essenziell beim Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Alleine dadurch verlängern wir die Haltbarkeit von unserem Essen.

So mögen es beispielsweise Produkte wie Konserven, Kartoffeln oder Hartweizenprodukte trocken und dunkel. Viele Südfrüchte vertragen außerdem keine Kälte, sondern bevorzugen Zimmertemperaturen.

Umverpackungen bei Obst und Gemüse sollten wir entfernen, damit sich kein Kondenswasser bildet. Außerdem gibt es unzählige Tricks für eine bessere Haltbarkeit. So bleiben Karotten oder Spargel z. B. länger frisch, wenn sie in feuchte Tücher gewickelt werden.

Auch müssen wir bei Früchten wie Äpfeln, Birnen oder Bananen darauf achten, sie separat zu lagern. Sie enthalten ein Reifungsgas, was anderes Obst und Gemüse in der Nähe schneller reifen lässt.

Ein wichtiger Punkt ist auch die richtige Lagerung im Kühlschrank:

  • Oberes Fach: Käse, Essensreste, fertig zubereitete Speisen
  • Mittleres Fach: Milch und Milchprodukte wie Butter, Quark oder Joghurt
  • Unteres Fach: schnell verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch und Wurstwaren
  • Gemüsefach: kälteunempfindliches Obst und Gemüse
  • Kühlschranktür: Dressing, Marmelade, Ketchup, Eier, Getränke

Mehr zum Thema findest du in dieser PDF vom Bundeszentrum für Ernährung.

5. Lerne Essensreste richtig zu verwerten!

Ein wichtiger Schritt, um weniger Essen wegzuwerfen, ist die richtige Verwertung deiner Essensreste.

Wenn wir lernen, was wir alles aus Resten zaubern können, dann sparen wir nicht nur Geld, sondern kämpfen auch aktiv gegen die Lebensmittelverschwendung in Deutschland.

Der Klassiker sind beispielsweise braune Bananen, die perfekt zu Bananenbrot, Bananen-Pancakes oder Smoothies verarbeitet werden können. Auch lasches Gemüse kann fix in eine Gemüsecreme verwandelt werden. Hier können wir kreativ werden!

Wir sollten also immer schauen, was zuerst verbraucht werden muss und es bei der nächsten Mahlzeit verwerten. Es gibt einige tolle Seiten mit Reste-Rezeptdatenbanken wie z. B. Zu Gut für die Tonne oder auch Restegourmet.

6. Mache Essen länger haltbar!

Alternativ können wir die meisten Reste und übrig gebliebenes Essen auch ganz einfach einfrieren und zu einem späteren Zeitpunkt verwenden. Es ist sehr praktisch, etwas Fertiges im Tiefkühlfach zu haben.

Wenn wir wirklich viel zu viel gekauft haben oder grade Erntezeit in unserem Garten ist, dann lohnt es sich, alles auf einmal zuzubereiten. Hier können wir einkochen, dörren, einlegen oder uns am Fermentieren ausprobieren. Dadurch vermeiden wir, dass Lebensmittel im Müll landen.

Falls du trotzdem keine Verwendung für all das Essen hast, dann teile es mit deinem Freundes- und Familienkreis oder gib es an Nachbar*innen.

Natürlich kannst du auch über verschiedene Foodsharing-Initiativen deine Lebensmittel kostenlos anbieten oder bei sozialen Einrichtungen anfragen.

7. Bestelle in Restaurants nicht über den Hunger!

Auch wenn du im Restaurant isst, solltest du unnötige Lebensmittelverschwendung vermeiden. Das bedeutet zunächst einmal nur die Menge zu bestellen, die du auch wirklich schaffst. Denke daran, du kannst immer noch weitere Speisen nachbestellen, wenn du noch Hunger hast.

Oft haben wir aber solche Lust auf einige Gerichte, dass die Augen größer als der Magen sind. Wir merken dann aber, dass wir doch nicht alles schaffen. Was machen wir? Uns auf jeden Fall die Reste einpacken lassen. Optimal ist es, wenn du selbst eine Edelstahldose dabei hast, um unnötigen Plastikmüll zu vermeiden.

Du brauchst hier auch keine falsche Scham haben, danach zu fragen. Bedenke: So wird das Essen nicht weggeworfen und du hast für den nächsten Tag sogar noch einen leckeren Snack.

Fazit

Wir können alle gemeinsam etwas dafür tun, um die Lebensmittelverschwendung in Deutschland zu reduzieren. Wenn wir uns bewusst sind, wie wertvoll unser Essen ist und lernen, wieder mehr darauf zu achten, sind wir auf dem richtigen Weg. Hilf auch du dabei, dass keine Lebensmittel mehr im Müll landen!

Quellen:

“Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktelle Studie über Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren” von BMEL: https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle-deutschland.html

“Das große Wegschmeißen” von WWF: https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/lebensmittelverschwendung/das-grosse-wegschmeissen

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