Introvertiert? Entdecke 7 unterschätzte Stärken ruhiger Menschen

Zu still, zu unsozial, zu schüchtern – das sind wohl 3 der gängigsten Vorurteile gegenüber introvertierten Menschen.

Wir leben in einer Welt, die den Fokus auf extrovertierte Menschen legt und diese feiert. Hier fallen uns Assoziationen wie kontaktfreudig, spontan und gesprächig ein – Extrovertierte stehen gerne im Mittelpunkt und werden schneller wahrgenommen als introvertierte Personen. Wer zu der lauten Sorte Mensch gehört, scheint andere zu beeindrucken.

Dabei haben auch Introvertierte viele tolle Eigenschaften, die sie liebens- und bewundernswert machen. Doch durch ihre ruhige Art fallen sie nicht so schnell auf wie ihre extrovertierten Gegenstücke. Aber ein zweiter Blick hinter die stille Fassade lohnt sich!

Wenn du selbst introvertiert bist, dann hast du sicher auch schon einmal krampfhaft versucht, „anders“ zu sein, um dich der lauten Gesellschaft anzupassen. Doch es ist viel schöner zu akzeptieren, wie du bist und auf dich selbst zu hören.

Introvertiert sein ist kein Nachteil, sondern deine versteckte Superpower. Wir zeigen dir, was du als introvertierte Person für tolle Stärken hast und wie du sie besser zu schätzen lernst.

Was bedeutet introvertiert überhaupt?

Wir unterscheiden in Introversion und Extraversion (beide auch umgangssprachlich bekannt als Introvertiertheit und Extravertiertheit). Die beiden Begriffe erklären, ob wir eher auf die äußere oder innere Welt ausgerichtet sind und wie wir mit unserem Umfeld interagieren. Geprägt wurde diese Unterscheidung unserer Persönlichkeitsmerkmale von Carl Gustav Jung, dem Begründer der analytischen Psychologie.

Was ist eine einfache Definition von introvertiert?

Eine Sache direkt vorweg: Introversion bedeutet nicht, dass jemand schüchtern ist! Das wird immer wieder gerne zusammengeworfen. Schüchternheit ist eine antrainierte soziale Angst, wohingegen wir mit Introversion (oder auch Extraversion) bereits geboren werden.

Beim introvertiert oder extrovertiert sein geht es vielmehr darum, wie wir unsere Energiereserven aufladen. Als introvertierter Mensch verlieren wir sehr viel Energie im Kontakt mit anderen Menschen und laden unseres Akkus auf, wenn wir allein sind.

Im Gegensatz dazu schöpft eine extrovertierte Person Energie gerade durch viele soziale Kontakte. Sie brauchen diese externe Stimulation, um sich gut zu fühlen. Schuld daran sind die Dopamin-Rezeptoren in unseren Körpern. Eine introvertierte Person braucht weniger Dopamin als jemand extrovertiertes, um stimuliert zu werden.

Wenn wir introvertiert sind, brauchen wir also mehr Zeit für uns. Nur durch diesen aktiven Rückzug können wir uns ausreichend von äußeren Reizen erholen, sie verarbeiten und uns vor einer Reizüberflutung schützen. Diese „Abschottung“ ist wichtig, damit wir uns wohlfühlen.

Eine Person ist übrigens nicht immer entweder komplett intro- oder extrovertiert. Wir können uns dies viel mehr als eine Art Skala vorstellen, auf der wir mehr zur einen oder zur anderen Seite tendieren. Auch möglich ist es natürlich, dass wir uns mittig befinden. Dann sind wir ambivertiert.

Selbsttest: Woran erkenne ich Introversion?

Es gibt verschiedene Eigenschaften und Merkmale, die einer introvertierten Person zugeschrieben werden. Nicht immer treffen alle zu, aber je stärker deine Introversion ist, umso mehr dieser Aussagen werden zutreffen.

  • Du verbringst gerne Zeit allein.
  • Du magst lieber Treffen mit einzelnen Personen statt in großen Gruppen.
  • Du bevorzugst geschriebenes zum gesprochenen Wort.
  • Du stehst nicht gerne im Mittelpunkt.
  • Du wirst von anderen als ruhig und reserviert bezeichnet.
  • Du arbeitest lieber allein als im Team.
  • Du bist kein Fan von Small Talk, kannst aber stundenlang über Themen reden, die dich begeistern.
  • Du bist erschöpft, wenn du viel Zeit mit anderen Menschen verbracht hast.
  • Du hast einen eher kleineren Freundeskreis.
  • Du brauchst Zeit, um dich anderen zu öffnen.
  • Du wägst erst gründlich ab, bevor du Entscheidungen triffst.

Und, findest du dich in einigen Punkten dieses kleinen Tests wieder?

Was sind 7 positive Eigenschaften von introvertierten Menschen?

Wenn du dich auch eher mit den Eigenschaften einer introvertierten Person identifizieren kannst, dann unterschätze dich nicht. Lerne stattdessen deine stillere Art zu lieben und mit deiner Wesensart zu arbeiten, statt dagegen anzukämpfen.

Introvertierte haben viele wundervolle Stärken, die sie zu interessanten und liebenswerten Menschen machen. Wir haben deshalb einige für dich zusammengefasst.

1. Sie sind gute Freund*innen und aufmerksame Partner*innen

Wenn wir eine introvertierte Person als Freund*in oder Partner*in haben, dann können wir uns glücklich schätzen. Sie sind nämlich treue und verlässliche Seelen, die uns immer zur Seite stehen.

Es dauert zwar etwas, bis sie mit anderen Personen warm werden, aber wenn wir ihnen ein entspannendes Ambiente und tiefgründige Gespräche bieten, dann tauen sie langsam auf. Sie können zu Freund*innen fürs Leben werden.

Statt eines großen sozialen Umfelds wählen sie ihre Kontakte sehr sorgfältig aus. Mit einer stillen Person erhalten wir eine loyale, ehrliche und mitfühlende Person, die sich um uns sorgt und uns schätzt. Ein introvertierte*r Freund*in ist aufmerksam und ehrlich interessiert an uns und unseren Gedanken und Gefühlen.

2. Sie sind tolle Zuhörer*innen

Eine Sache ist sicher klar: Introvertierte Menschen reden auf jeden Fall weniger als extrovertierte Personen. Dafür hören sie aber gerne und aufmerksam zu. Sie lassen uns in Ruhe ausreden und können sich sehr gut in unsere Situation hineinversetzen.

Dabei warten sie nicht ungeduldig darauf, sofort etwas erwidern und selbst reden zu können. Im Gegenteil, gerne stellen sie zunächst weitere Fragen, um das Gespräch zu vertiefen und mehr zu erfahren. Eine introvertierte Person überlässt anderen gerne mehr Raum.

Währenddessen analysieren und durchdenken Introvertierte oft gründlich das Gesagte, bevor sie ihre Meinungen und Ansichten teilen. Diese Art des ruhigen Gesprächs gibt uns das gute Gefühl, verstanden und gehört zu werden.

3. Sie sind konzentriert und fokussiert

Sagen wir mal so: In einem großen Team zu arbeiten, ist nicht unbedingt der Traum eines introvertierten Menschens. Viel lieber arbeiten sie alleine, da sie sich ohne äußere Reize durch andere Personen viel besser konzentrieren und fokussieren können.

Dabei kann es sein, dass sie mehrere Stunden gewissenhaft und strategisch an einem Projekt oder Thema sitzen. Sie behalten dabei aber nicht nur die Qualität, sondern auch Zeit und andere wichtige Details stets vor Augen und sind sehr organisiert.

Ein introvertierter Mensch informiert sich zunächst ausführlich und schätzt ein, bevor er handelt. Eine Analyse der Möglichkeiten und ein umfassendes Wissen helfen, gute Resultate zu liefern. Dadurch sind sie vor allem auch in der Arbeitswelt zuverlässige Mitarbeiter*innen oder Chef*innen.

4. Sie sind sehr empathisch

Vor allem auch dadurch, dass sie genau zuhören und auf kleinste Details achten, können sie oft Gefühle oder Stimmungen sehr gut wahrnehmen und darauf reagieren. Das macht Introvertierte zu empathischen Personen.

Sie fühlen mit dem Gegenüber mit und können sich leicht in die Lage oder Situation anderer Personen hineinversetzen. Die sanfte und rücksichtsvolle Art von introvertierten Menschen strahlt dabei Ruhe, Intimität und echtes Interesse aus.

Diese soziale Kompetenz sorgt für ein entspanntes Ambiente und gibt anderen das Gefühl, wichtig zu sein und gehört zu werden. Introvertierte fühlen übrigens auch oft sehr intensive Emotionen z. B. beim Lesen von Nachrichten oder Büchern, Hören von Musik oder Schauen von Filmen.

5. Sie haben eine kreative Ader

Kreativität zeichnet viele stille Menschen aus. Sie blühen auf und entspannen, wenn sie ihren Emotionen, Gedanken und Ideen ein Ventil geben können. Nicht zufällig sind viele erfolgreiche Künstler*innen introvertiert.

Die Momente, in denen sie allein sind und ihre kreative Ader ausleben können, helfen Introvertierten ihre innere Ruhe zu finden. Sie können sich zurückzuziehen und neue Energie tanken.

Oft wählen sie deshalb kreative Berufe wie Designer*in, Autor*in, Fotograf*in oder auch Übersetzer*in aus. Hier können sie ihre Kreativität sprudeln lassen und meist in ihrem eigenen Rhythmus arbeiten. Doch auch in der Freizeit lieben sie Projekte, bei denen sie schöpferisch tätig sind.

6. Sie denken, bevor sie handeln

Impulsives Handeln, wie es bei extrovertierten Menschen oft der Fall ist, ist bei Introvertiertheit eher seltener zu erwarten. Statt sich von ihren Emotionen überwältigen zu lassen, wägen Introvertierte sorgfältig ab, was sie machen oder sagen wollen.

Sie reflektieren ausführlich Pro und Contra und analysieren mögliche Folgen, bevor sie aktiv werden. Das hilft introvertierten Menschen dabei, Überraschungen zu vermeiden und gut auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Diese Besonnenheit macht Introvertierte auch oft zu sehr guten Führungskräften. Sie treffen wichtige Entscheidungen erst, wenn sie ausreichend Wissen gesammelt haben und versuchen, Risiken soweit wie möglich zu mindern.

7. Sie sind recht unabhängig

Eine introvertierte Person ist im Vergleich zu einer Extrovertierten sehr viel unabhängiger. Sie benötigen nicht immer die Gesellschaft anderer Menschen, sondern fühlen sich auch alleine wohl und erfüllt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sie nie andere Menschen in ihrem Leben brauchen. Vielmehr, dass sie sich alleine nicht langweilen und die Zeit nur mit sich genießen. Oft kann es so wirken, als ob sie ihr Ding durchziehen, weil sie keine konstante Bestätigung durch ihre Mitmenschen benötigen.

Introvertierte Menschen blühen richtig auf, wenn sie sich auch zurückziehen können. Sie fühlen sich nicht einsam, wenn sie allein sind. Stattdessen gehen sie gerne ruhigen Hobbys nach. Ein Buch lesen, kochen, etwas Neues lernen, töpfern oder einfach eine Runde spazieren gehen, sind Beispiele für erfüllende Bestandteile ihres Alltags.

Fazit

Introvertierte Menschen haben noch viele weitere Stärken, denen sie sich oft gar nicht bewusst sind. Sie stehen extrovertierten Personen in nichts nach, sondern ticken einfach nur anders. Doch genau das ist das Schöne: Jede*r darf und soll so sein, wie er ist. Wir müssen uns nicht verstellen und versuchen jemand zu sein, der wir nicht sind. Stattdessen können wir anfangen, unsere Stärken zu feiern und zu fördern.

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